Wann bin ich spielsüchtig und was kann ich dagegen tun?

Spielsucht ist ein ernstes Thema erst recht seitdem es potentiell überall verfügbar ist. Du kannst dich heute mit jedem PC in einem online Casino einloggen, in die nächste Spielothek gehen und an Automaten spielen oder mit deinem Smartphone in der Ubahn. Du kannst nicht nur Klassiker wie Roulette spielen sondern unter tausenden von Automaten wählen die  teilweise genau deinen Wünschen entsprechen. Wenn du ein Fan einer Serie oder einer Filmreihe bist kannst du dir sicher sein dass es einen Spielautomaten dazu gibt. Egal ob du auf Vampire, Märchen, Mythologie, Safari oder was auch immer stehst, es gibt genügend zu jedem Thema. Und wenn du lieber Sport schaust hält dich niemand davon ab mal eben auf deine Lieblingsmannschaft zu setzen. Gerne auch während des Spiels und auf Spezialwetten wie “wer wird den nächsten Einwurf haben”.

Besonders brisant ist das Thema Smartphone und Tablet. Früher musste man in ein weit entferntes Casino fahren und sogar auf die Kleiderordnung achten. Heute kann man sich halbnackt mit dem iPad auf die Couch setzen und loslegen. Insofern ist es nicht verwunderlich warum Spielsucht auf dem Vormarsch ist. Umso unverständlicher ist es aber auch dass eine EU immer noch nicht in der Lage ist ordentlich zu regulieren. So bleibt online Glücksspiel eine Grauzone und das ist in Sachen Spielsucht sicherlich nicht hilfreich.

Aber woran liegen die Ursachen von Glücksspiel? Warum fühlt man sich so hingezogen zu zocken? Warum würde man gerne auf alles mögliche wetten können? Auch beim Glücksspiel sind wir mehr oder weniger von unseren Hormonen gesteuert. Das sind die Botenstoffe im Körper die unter anderem dafür zuständig sind unser Verhalten zu steuern. Ein wichtiges Hormon ist dabei Dopamin. Es motiviert uns bestimmte Dinge zu tun und bereitet uns Vergnügen. Es ist nicht von langer Dauer weswegen wir immer wieder Dopamin ausschütten müssen. Wir suchen also immer ein neues Vergnügen. Und wo findet man das schneller als in der Hosentasche? Handy raus, Wetteinsatz tätigen und wenige Sekunden oder Minuten später das Ergebnis erfahren. Ob wir gewinnen oder nicht, Dopamin wird garantiert ausgeschüttet. Es wird nämlich schon bei der Ungewissheit ausgeschüttet, also wenn wir nicht wissen ob Rot oder Schwarz beim Roulette kommt oder ob Schalke oder Bayern die nächste Ecke bekommt. Dopamin ist garantiert.

Wann bin ich spielsüchtig?

Die Übergänge sind fließend. Die ein oder andere Dopamin-Ausschüttung ist harmlos und ganz natürlich. Ohne Dopamin hätten wir keinen Willen zu essen oder uns am Leben zu halten, geschweigedenn fortzupflanzen. Es hat für den Menschen also eine Berechtigung und ist absolut lebensnotwendig. Zu viel Dopamin ist aber das was gefährlich ist. Und zu viel ist schnell erreicht weil wir bei übermäßiger Dopamin-Ausschüttung unsere Rezeptoren teilweise verlieren. Das heißt, wir brauchen immer mehr Dopamin um den gleichen Effekt zu erzielen. Beispiel Kaffee: Koffein schüttet genauso Dopamin aus. Während wir heute mit einer Tasse Kaffee einen starken Effekt spüren müssen es in einem Jahr schon zwei sein für den gleichen Effekt. Deswegen gibt es auch so viele Kaffeejunkies – sie sind derart daran gewöhnt und haben schon so viele Rezeptoren zerstört dass sie immer mehr davon brauchen.

Ähnlich ist es beim Glücksspiel. Wenn wir die Dopamin-Ausschüttungen über beanspruchen verliert das Hormon seinen Effekt. Wir müssen uns dann immer neuen Reizen aussetzen. Statt 10 Cent Einsatz spielen wir mit 1€. Statt nur an Roulette zu spielen gehen wir an einen Automaten der alle zwei Sekunden Ergebnisse liefert und schneller Dopamin ausschüttet. Statt einmal in der Woche gehen wir jeden Tag ins Casino. Und so weiter.

Irgendwann ist natürlich ein Punkt erreicht bei dem man von einer Sucht sprechen kann. Von einer Abhängigkeit kann man dann sprechen wenn es dir schwer fällt nicht zu spielen. Warst du zuletzt eine Woche im Urlaub ohne zu spielen oder den Drang zu verspüren? Oder hast du auf dem Weg zum Strand noch schnell ein paar Bundesliga Wetten abgeschlossen und das Hotel genommen weil ein Casino mit dabei ist?

Die Frage ist auch: wie fühlst du dich wenn du nicht spielst. Machst du dir Gedanken darüber wann du endlich wieder spielen kannst? Überlegst du welche Wetten du noch abschließt und wann du endlich dein Smartphone rausholen?

Und vielleicht am wichtigsten: Spielst du bereits so sehr über deinem Limit dass du kein Geld dazu hast, Schulden machst oder dir überlegst woher du mehr Geld zum spielen bekommst?

In einem solchen Fall wendest du dich am besten direkt an professionelle Hilfe und zwar schnell. Hier findest du weitere Informationen.

Ist das jedoch nicht der Fall und du machst dir einfach nur Sorgen spielsüchtig zu werden oder zeigst bereits erste Anzeichen solltest du unbedingt weiter lesen.

Die Ursache bekämpfen statt an den Symptomen zu basteln

Die Ursache warum Glücksspiel anziehend ist haben wir bereits genannt: Dopamin. In erster Linie ist das ein natürliches Hormon gegen das du nicht ankämpfen sollst. Allerdings ist die übermäßige und unkontrollierte Ausschüttung das was “süchtig” macht. Es ist wie bei allen anderen Abhängigkeiten wie Koffein, Tabak, Alkohol, Sex, Kokain, usw. Die Prozesse im Gehirn sind im Grunde die gleichen. Warum du jetzt aber gefährdet bist spielsüchtig statt Alkohol-süchtig zu werden ist wieder ein anderes Thema.

Fakt ist aber auch dass Abhängigkeiten häufig zusammen hängen. Das heißt, dass man als Glücksspieler auch gerne trinkt und raucht. In manchen Härtefällen nimmt man auch noch andere Drogen und bezahlt für etwas “Liebe”.

Deine Aufgabe ist jedenfalls klar: Du musst deine Dopamin-Ausschüttungen wieder unter Kontrolle bekommen. Nur so kannst du ausschließen nicht immer mehr davon zu brauchen und es dir unter anderem durch Glücksspiel zu holen. Denn wie gesagt, je mehr du ausschüttest, desto weniger Rezeptoren hast du und desto mehr musst du ausschütten um den gleichen Effekt zu erzielen.

Und das bedeutet nicht nur, dass du dein Spielverhalten einschränken sollst, sondern alle Tätigkeiten bei denen Dopamin ausgeschüttet wird. Diese wären zum Beispiel:

  • Tabak, Kaffee, Zucker, Alkohol und andere Drogen
  • Sex/Selbstbefriedigung
  • Social Media, Gaming und andere Tätigkeiten im Internet